Werbung mit Testergebnissen II

Muss bei der Werbung mit Testergebnissen der Rang des getesteten Produkts im Vergleich zu den getesteten Konkurrenzprodukten oder zumindest die Durchschnittsnote aller getesteten Kandidaten angegeben werden? Mit dieser spannenden Frage befasste sich das OLG Frankfurt in seiner Entscheidung vom 25.10.2012 (Az. 6 U 186/11).

Was war passiert? Ein Hersteller blendete in einer Werbung für einen Nassrasierer das Logo der Stiftung Warentest mit dem Zusatz „Gut 2,2 Ausgabe 12/2010“ ein. Ein Wettbewerber störte sich daran, dass in der Werbung kein Hinweis auf den Rang des beworbenen Nassrasierers im Vergleich zu den übrigen Testkandidaten angegeben worden ist. Im Test hatte der Nassrasierer trotz der Note „gut“ unter den 15 getesteten Nassrasierern nämlich lediglich den sechsten Platz eingenommen. Dies hielt der Hersteller, der einige der besser platzierten Nassrasierer produzierte, für wettbewerbswidrig.

Die Richter vom OLG Frankfurt gaben dem Hersteller der besser platzierten Nassrasierer Recht:

„Die Information darüber, wie die Bewertung des Rasierers in das Umfeld seiner Konkurrenten einzuordnen ist, ist für den Verbraucher, an den die streitgegenständliche Werbung ausschließlich gerichtet ist, wesentlich für eine Kaufentscheidung. … Dies folgt bereits aus der für den Verbraucher naheliegenden Überlegung, dass mit einem Testergebnis der Stiftung Warentest regelmäßig nur werben wird, wer in dem Test nicht nur absolut, sondern relativ gut abgeschlossen hat. …. Sofern sich der Unternehmer – was ihm unbenommen bleibt – dazu entscheidet, seine Waren oder Dienstleistungen mit Testergebnissen wie denen der Stiftung Warentest zu bewerben, kann von ihm deshalb auch verlangt werden, erkennbar zu machen, welchen Rang sein Produkt in dem Test einnimmt. Als Maßstab können dabei die von der Stiftung Warentest aufgestellten als solche aber unverbindlichen Richtlinien der Stiftung Warentest herangezogen werden (vgl. Köhler/Bornkamm, UWG, 28. Aufl. § 5 Rd 4.236), welche die Angabe des Ranges des verwendeten Qualitätsurteils vorsehen. Dies kann geschehen, indem der Werbende den Rangplatz benennt – im vorliegenden Fall wäre dies Platz 6 im Test von 15 Nassrasierern mit Austauschklingen –, die erzielte Durchschnittsnote – hier gerundet 2,4 – angibt oder mitteilt, welche Notenstufen wie oft erreicht wurden.“

Wer mit Testergebnissen wirbt muss das Testergebnis immer in einem objektiven und nachvollziehbaren Kontext zu den Ergebnissen der anderen Testkandidaten präsentieren. Dabei reicht es allerdings aus, wenn die Anzahl und die Noten der besser beurteilten Produkte angegeben werden.

Beispiele:

  • Note: Gut (Platz 3 von 9 getesteten City-Bikes, Magazin Ausgabe 10/2012)
  • Note: Gut 2,1 (Im Test: 9 City-Bikes, Durchschnittsnote 2,4, Magazin Ausgabe  10/2012)
  • Note: Gut (Im Test: 9 City-Bikes, 2x Sehr gut, 4x Gut, 3x befriedigend, Magazin Ausgabe 10/2012) oder
  • Note: Gut (Im Test: 9 City-Bikes, 2x Sehr gut, Magazin Ausgabe 10/2012)

Ausnahme:

Hat ein Produkt mit dem Testergebnis „Sehr gut“ abgeschnitten und sind auch andere Produkte mit diesem Prädikat bewertet worden, müssen die (durchschnittlichen)Testergebnisse der anderen Kandidaten oder der eigene Rang nicht benannt werden:

  • Note: Sehr gut (Im Test: 9 City-Bikes, Magazin Ausgabe 10/2012)

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